Alle Welt will Käse aus Coburg

06.08.2013

Immer größere Verarbeitungsmengen und ständig wachsende Nachfrage nach Käse aus Coburg - jetzt wollen die Milchwerke in Wiesenfeld anbauen. Das erforderliche Grundstück haben sie schon gekauft.

Wenn Direktor Ludwig Weiß über die Milchwerke Oberfranken West referiert, ist ihm die Begeisterung anzumerken. Sind doch "seine" Werke seit Jahren auf Wachstumskurs bei der verarbeiteten Milchmenge und beim Umsatz. Dem soll nun auch räumlich Rechnung getragen werden. "Im kommenden Jahr müssen wir bauen, sagt Weiß. Das Grundstück dafür hat er schon.

Der Besuch einer Europapolitikerin wie Angelika Niebler, die für die CSU im europäischen Parlament sitzt, kommt Ludwig Weiß ganz recht, um auf die Bedeutung der europäischen Politik für ein international aufgestelltes Unternehmen wie die Milchwerke aufmerksam zu machen. Zumal sie in Begleitung des regionalen Bundestagsabgeordneten der CSU, Hans Michelbach nach Wiesenfeld kam, der gleichzeitig Vorsitzender der Mittelstandsunion ist.

Politische Bestimmungen aus Europa wirken direkt auf das Geschäft der Milchwerke ein. "Der Wegfall der Milchquote ist ein wichtiger Schritt. Die Erzeuger müssen sich dem Markt stellen", ist Weiß überzeugt. Er ist sich aber auch bewusst, wie kompliziert der Milchmarkt "tickt". Einerseits pendle der Preis pro Liter Milch seit Jahren stark. Andererseits bewege er sich im Mittel seit 2007 stetig nach oben. Beim Endpreis lieferten sich die Discounter immer wieder erbitterte Gefechte, erinnert Weiß und ist verblüfft, wie empfindlich die Verbraucher auf wenige Cent Preiserhöhung reagieren: "Das führt sofort zu deutlichen Einbrüchen beim Absatz."

Dabei gelten die Milchwerke Oberfranken West in Erzeugerkreisen als besonders gute Zahler, die über Jahre hinweg bayernweit Spitzenpreise zahlten, was Teil einer Wachstumsstrategie ist. "Wir haben gut gezahlt, und so sind immer mehr Bauern zu uns gekommen", erklärt Weiß, wie der 1993 für eine zu verarbeitende Milchmenge von rund 150 Millionen Kilo im Jahr gebaute Betrieb seither zum dreifachen Durchsatz gewachsen ist. Heute kommen rund 52 Prozent der Milch, die hier von rund 350 Mitarbeitern verarbeitet wird aus Franken, über 20 Prozent kommen aus Thüringen und etwa gleichviel aus Hessen.

Daher der Druck zur räumlichen Erweiterung, dem jetzt nachgegeben werden soll. Wenn die Kapazitäten in Coburg dann ausreichend sind, könnte in den kommenden Jahren auch der Zweigbetrieb in Lendershausen (Unterfranken) mit derzeit rund 70 Beschäftigten in Wiesenfeld integriert werden, so Weiß. Unterstreicht Hans Michelbach die Bedeutung der Milchwerke für das Label "Genussregion", das inzwischen vom Image-Projekt zu einem regelrechten Wirtschaftsprogramm mit hoher Wertschöpfung geworden sei, so erkennt Angelika Niebler den Wert der Coburger Marke als regionaler Botschafter der Region in Europa und der Welt.

Immerhin geht Käse aus Wiesenfeld in fast alle europäischen Staaten bis nach Asien, den Nahen Osten und Südamerika. Dass allerdings bei der gemeinsamen Agrarpolitik unter den EU-Staaten durchaus sehr unterschiedliche Vorstellungen vorhanden sind, verhehlte sie nicht. Nicht zuletzt deswegen sei dazu auch noch kein Beschluss für das Programm ab 2014 gefasst worden. Sie betonte aber mit Blick auf den Milchmarkt: "Es muss einen fairen Milchpreis geben, damit auch die Milchbauern lebensfähig bleiben."

Wenn die Prognose von Ludwig Weiß zutrifft, der für diesen Herbst einen Erzeugerpreis von 40 Cent je Liter erwartet, dann fänden das die Landwirte gewiss fair. "Gute Lebensmittel müssen auch hundertprozentig bezahlt werden", betont der Direktor. Doch er macht auch auf Nachteile aufmerksam, mit denen der deutsche Markt im internationalen Vergleich zu kämpfen hat. Da ist der Strompreis, der zum Wettbewerbsnachteil gegenüber Nachbarländern wird, selbst wenn der Betrieb weitgehend von der EEG-Abgabe befreit ist. Da sind deutlich niedrigere Löhne in Polen und Tschechien, von wo ebenfalls fleißig auf den deutschen Markt geliefert wird.

Strenge Kontrollen

Und es gibt Vorschriften und Kontrollen, die in Deutschland nach den Erfahrungen von Ludwig Weiß ganz besonders streng genommen werden. Nicht zuletzt nennt er die Personalkosten: "Ich brauche die besten Leute und die muss ich entsprechend bezahlen. Sogar das Reinigungspersonal hat es bei uns nicht gerade einfach", erklärt er.

Da ist es nicht verwunderlich, dass stets nach Einsparpotenzial gesucht wird. Bei den Energiekosten hat Weiß es gefunden: "Wir haben in neue Rührwerke und andere Maßnahmen zum effizienteren Energieeinsatz investiert." Damit konnten die Stromkosten allerdings auch so erheblich gesenkt werden, dass sich die Investition rasch bezahlt mache. Wenn der Erweiterungsbau kommt, würde Weiß gern eine Vollkläranlage bauen, doch die wird nicht genehmigt, weiß er. Die Milchwerke führen ihre Abwässer an das Coburger Klärwerk ab. "Wir lasten 15 bis 20 Prozent der Kapazität dort aus", sagt Weiß. Ein Faktor bei der Kostenkalkulation der Coburger. Nach dem Wegfall des Schlachthofs müssten die Gebühren für die Haushalte wohl empfindlich steigen, wenn auch noch die Milchwerke wegfielen.

Bis zum Neubau muss Weiß der steigenden Nachfrage nach Käse aus Coburg mit bestehenden Anlagen gerecht werden. Und die ist gewaltig: "Vor allem bei Convienience-Produkten steigt der Absatz", sagt Weiß. Und bei den heuer erst eingeführten "Grilltalern" komme man in Wiesenfeld kaum noch mit der Produktion hinter dem reißenden Absatz her.

Quelle: Coburger Tageblatt vom 06.08.13

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