Milchwerke verkaufen mehr Käse

10.06.2015

Die Milchwerke Oberfranken West in Wiesenfeld konnten 8,9 Prozent mehr Käse absetzen und zugleich einen neuen Umsatzrekord melden. Zugleich wird weiter kräftig investiert. In Wiesenfeld soll bis 2016 ein modernes Hochregallager für 11,5 Millionen Euro entstehen.

Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Nicht der Wind, sondern die Segel bestimmen die Richtung". Für die Milchwerke Oberfranken West eG trifft diese Weisheit ganz offensichtlich zu. Auch wenn der Genossenschaft der Wind des Käsemarktes hart um die Nase weht, gelang es dem Unternehmen, seine Marktposition zu behaupten und weiter auszubauen. Dies ging aus dem Geschäftsbericht des geschäftsführenden Direktors, Ludwig Weiß, hervor, den dieser bei der Generalversammlung präsentierte.

Lkw-Schlange von 330 km

So konnte der Käseabsatz von 2013 auf 2014 um 4261 Tonnen auf insgesamt 47 429 Tonnen (+ 8,9 Prozent) gesteigert werden. "Umgerechnet auf beladene Lastkraftwagen wäre dies eine Schlange von 330 Kilometer", führte Ludwig Weiß plastisch vor Augen. Beim Umsatz konnte Ludwig Weiß mit 249,2 Millionen Euro einen Umsatzrekord vermelden. Dies bedeute einen Zuwachs von 7,1 Prozent. "Damit sind wir stärker gewachsen als die Gesamtbranche", unterstrich Ludwig Weiß in seinem Bericht.

Mit einem Volumen von 162,2 Millionen Euro generieren sich rund zwei Drittel des Umsatzes im deutschen Markt. Sorgen bereitet ihm der Absatz im Ausland. "Die Weltmarktpreise haben sich halbiert", stellte Weiß fest und fügte hinzu: "Wenn wir nicht andere Absatzgebiete gesucht und gefunden hätte, hätten wir ein Problem".

Auch wenn Absatz und Umsatz überproportional stiegen - eine "Kröte" mussten die 1652 Mitglieder der Genossenschaft dennoch schlucken. Der Bilanzgewinn ist von 580 122 Euro auf 65 389 Euro gesunken. Für Ludwig Weiß aber kein Grund zur Panik, da er auch die Gründe hierfür wusste. So seien allein 2,4 Millionen Euro in das Unternehmen investiert worden. So wurde eine "Horden-Beschickungsanlage" installiert, die 10 000 Käsestücke pro Stunden vollautomatisch auf die Horden positionieren kann. Der Verpackungsprozess wurde durch eine neue Entstapelungstechnik vereinfacht und beschleunigt. Investiert wurde auch in neueste Dekandertechnologien und in zwei Rahmtanks. Außerdem wurden beträchtliche Summen für die laufende Instandhaltung ausgegeben.

Sowohl der Betrieb in Wiesenfeld, als auch die Fertigungsstätte in Lendershausen (Stadt Hofheim, Unterfranken) seien "top in Schuss", betonte Weiß. Die Anlagen sind so ausgelegt, dass im Jahr 600 Millionen Liter Milch verarbeitet werden können. Derzeit, so Weiß, liege man bei 500 Millionen Liter. Keinen Hehl machte er daraus, dass er moderne Fertigungsanlagen in den Focus seiner Arbeit stellt. "Wer nicht investiert, ist schnell weg vom Fenster."

Bei aller Euphorie, übermütig ist man in Wiesenfeld nicht geworden. Ludwig Weiß konnte darauf verweisen, dass man seit 1992 mit Bedacht gewachsen sei und seither nicht nur den Umsatz von 56, 8 Millionen Euro auf die besagten 249,2 Millionen Euro steigern konnte, sondern auch die Eigenkapitalquote von 26,3 Prozent auf sehr gute 41,8 Prozent angehoben wurde. Damit, so Weiß, steht das Unternehmen auf gesunden Füßen.

Besonderen Wert legte Weiß auf die Feststellung, dass "seine" Milchwerke den Landwirten einen überdurchschnittlichen Preis für die angelieferte Milch bezahlten. So entlohnte das Wiesenfelder Unternehmen seine Lieferanten mit 39,11 Cent je Kilogramm. Dieser Preis lag 2014 mit 1,54 Cent je Kilogramm deutlich über dem durchschnittlich deutschen Auszahlungspreis von 37,57 Cent je Kilogramm.

Höhere Personalkosten

Gestiegen seien aber auch die Personalkosten. Bei den Milchwerken "versursachten" die 378 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (2013 373 Arbeitnehmer) einen Aufwand von knapp 17 Millionen Euro und damit rund zehn Prozent mehr als 2013.

Die Milchwerke Oberfranken investieren wieder in den Standort Wiesenfeld. Entstehen wird ein modernes Hochregallager mit einem Volumen von 46 800 Kubikmeter umbauten Raum, in dem unter anderem 8200 Paletten Stellplätze eingerichtet werden. Hierdurch sollen nach Worten von Ludwig Weiß vor allem die Logistikkosten gesenkt werden. "Wir müssen dann unsere Produkte nicht mehr von Wiesenfeld in Außenlager und zurück fahren." Auch sollen die Reifekosten gesenkt werden.

"Wir nehmen hier einen größeren Schluck", stellte Vorstandsvorsitzender Harald Reblitz fest. In seinem Bericht sprach er von einer Investitionssumme von 11,5 Millionen Euro. Im Februar 2016 soll das neue Gebäude in Betrieb gehen. Fast, so Reblitz, hätte der geplante Verkehrslandeplatz bei Neida einen Strich in der Form durch die Rechnung gemacht, dass man nicht mehr so wie vorgenommen hätte bauen können. Erleichtert waren die Verantwortlichen, als dann das Luftfahrtamt Nürnberg "grünes Licht" gegeben hat.

Reblitz informierte die Versammlung noch davon, dass 931 Milcherzeuger die Milchwerke beliefern. Ziel sei es, weiterhin einen überdurchschnittlichen Milchpreis zu zahlen.

Bei den Neuwahlen wurden als Aufsichtsräte bestätigt: Thomas Ehrsam (Großheirath), Günter Knorr (Burgkunstadt), Hans Küfner (Bindlach) und Elke Melichar (Marisfeld).

Autor: Martin Rebhan

Erschienen im Coburger Tageblatt am 10.06.15

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