Zitterpartie für die Milchwerke in Wiesenfeld

24.07.2015

Die Milchwerke Oberfranken-West exportieren 1000 Tonnen Käse nach Griechenland. Kreditversicherungen vermeiden Zahlungsausfälle. Das Russlandgeschäft ist seit einem Jahr tot. Wie Direktor Weiß das Unternehmen durch diese wirtschaftlich schwierigen Zeiten manövriert, lesen Sie hier.

Ludwig Weiß, der Direktor der Milchwerke Oberfranken-West, kann wieder ruhiger schlafen. Die Einigung der Europäischen Union mit Griechenland ist in der Sulzdorfer Straße im Ortsteil Wiesenfeld positiv aufgenommen worden. "Wir sind als Milchwerke Oberfranken-West schon lange nicht mehr so von den Exporten nach Griechenland abhängig wie noch vor 20 Jahren", erklärt Direktor Ludwig Weiß. Nachdem aber der drohende Bankrott von Griechenland abgewendet zu sein scheint, kann Weiß im Konjunktiv sagen: "Bei einem Staatsbankrott wären die Kreditversicherungen ausgefallen."

47 000 Tonnen Käse exportiert

Im vergangenen Jahr exportierten die Milchwerke Oberfranken-West mit ihren Produktionsanlagen in Meeder-Wiesenfeld sowie im unterfränkischen Lendershausen bei Hofheim rund 47 000 Tonnen Käse in alle Welt. Etwa 1000 Tonnen davon werden an Abnehmer in Griechenland geliefert. Darunter sind auch Discounter, die die Milchwerke Oberfranken-West in Hellas direkt beliefern. Auch deshalb ist die Mehrzahl der Schilder in den beiden Betrieben auch mit Hinweisen für die Lkw-Fahrer in griechischer Schrift versehen, und mit kyrillischen Zeichen. "Diese Lieferungen sind mit Warenkreditversicherungen abgesichert oder werden im Voraus bezahlt", erläutert Ludwig Weiß. Zahlungsausfälle habe man noch nicht hinnehmen müssen, weil die Milchwerke zu ihren Geschäftspartnern in Griechenland jahrzehntelange Beziehungen pflegen, jedoch habe man die Nachrichten aus dem südost-europäischen Land stets aufmerksam verfolgt.

Vor zwei Jahrzehnten betrug der Exportanteil der Milchwerke Oberfranken-West nach Griechenland etwa 4000 Tonnen bei Gesamtexporten von 10 000 Tonnen im Jahr. In erster Linie Rohprodukte treten die Reise nach Griechenland an, wo sie weiter verarbeitet werden. In den vergangenen Wochen war der Zahlungsverkehr angesichts der Beschränkungen bei den griechischen Banken schwierig. Da half ein Auslandskonto der griechischen Empfänger ungemein bei der Geschäftsabwicklung.

Nicht nur die Irrungen und Wirrungen in Griechenland beschäftigen Ludwig Weiß. "Seitdem die Sanktionen gegen Russland wegen der Krim-Krise verhängt worden sind, können wir dorthin gar nichts mehr liefern." Russland sei ein guter Markt mit guten Verdiensten gewesen. Bevor die Handelsbeschränkungen verhängt wurden, gingen 200 Tonnen Käse im Monat nach Russland. Aktuell haben die Botschafter der 28 EU-Mitglieder einen gemeinsamen Text formuliert, durch den die Strafmaßnahmen bis Ende Januar 2016 verlängert werden sollen.

Auf neue Märkte setzen

Deshalb setzen die Milchwerke Oberfranken-West verstärkt auf neue Märkte. Seit September vergangenen Jahres vertreibt das Unternehmen seine Produkte in den USA. Auch Südkorea steht nach den Worten von Direktor Weiß auf der Liste der Kunden. Weiter liefern die Milchwerke nach Algerien oder Ägypten, kleinere Mengen in die Dominikanische Republik, nach Jordanien oder auf Ferieninseln. "Denn wo Ferienwohnungen vermietet werden, wird auch eingekauft", weiß der Manager. Durchsetzen müssen sich die Oberfranken mit ihrem Käse aber gegen die Konkurrenz aus Holland und Dänemark, "denn auch diese Länder haben mit den internationalen Krisen zu kämpfen", sagt Ludwig Weiß.


Autor: CHRISTOPH WINTER

Erschienen im Coburger Tageblatt am 24.07.15

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